Das geile an einer selbst auferlegten Regel ist, dass es sich später super anfühlt diese eingehalten zu haben. Das ist der Haupt-Benefit. Der Monat Mai stand für mich unter dem Motto „Clean Life“ und beinhaltete folgende Regeln:

  1. Kein Zucker
  2. Kein Brot
  3. Keine Milch
  4. Kein Medienkonsum
  5. Keine Selbstbefriedigung

Erfahrungen

Kein Zucker bedeutet keine Speisen oder Produkte zu konsumieren, zu denen Zucker hinzugefügt wurde. Beim Kauf von Tomaten oder Kidneybohnen in Dosen habe ich dann z.B. darauf geachtet, diejenigen ohne Zuckerzusatz zu kaufen. Ebenso bei der Marinade von Fleisch, Mayonnaise, Senf, Chips oder Nüssen. Im Restaurant habe ich darum gebeten, dass der Koch keinen Zucker hinzufügen möge.

„Dumm wie Brot“ heißt es. Warum eigentlich? Es gibt eine These, die besagt, dass Weizen unser Gehirn zerstört. Grund genug, um zu testen, wie sich der Verzicht auf meinen Körper auswirkt.

Der Gesundheitsaspekt von Milch wird auch kontrovers diskutiert. Mir egal. Ich habe stets nach den Ursachen meiner Zustände von leichter Erschöpfung im Alltag gesucht – Milch hat sich als eine von ihnen erwiesen. Milch, Weizen und Zucker sind Schlappmacher. Zumindest für geistiges Arbeiten. Das „Pappsatt-Gefühl“ war kaum mehr zu erreichen. Weniger Müdigkeit nach dem Essen. Für mich steht fest: Mein geistiger Antrieb wird durch diese Lebensmittel gesenkt (dabei sind sie so lecker!).

Punkt 4 habe ich in meiner letzten CDM im Mai 2018 definiert. Prokrastination geht bei mir Hand in Hand mit dem Konsum von Mediengütern – seien sie noch so hochwertig oder bereichernd. Auf den Konsum von Medien zu verzichten ist hart. Das Ergebnis für mich: Wesentlich höhere Produktivität.

No Fap ist im Trend. In jeder Sprache dieser Welt ist „Wichser“ eine Beleidigung. Grund genug um zu testen, was der Verzicht mit mir anstellt. Ich habe es aktuell seit ca. fünf Wochen durchgezogen und kann bestätigen, dass mein Maß an positiver Aggressivität und Kampfeslust gestiegen ist. Mein Disziplin-Muskel ist gestiegen. Prokrastination gesunken. Insgesamt fühle ich mich dem anderen Geschlecht gegenüber weniger verunsichert. Kann aber auch sein, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Ausprobieren lohnt sich allemal. Nach mittlerweile fünf Wochen ohne ist es fast merkwürdig daran zu denken. Fappen ist auch nicht in Einklang zu bringen mit heroischen Idealen. Oder kannst du dir Mahatma Gandhi, den Erfinder von Amazon oder Kobe Bryant beim wichsen vorstellen? Ich habe weiß Gott nichts gegen Selbstbefriedigung — I couldn’t care less — aber es sieht einfach scheiße aus. Frag mal die Webcam-Abteilung der NSA nach Screenshots.

Verzicht ist sexy. Ohne Scheiß. Niemand sagt dir das in unserer Welt. Aber das Maß an Selbstwertgefühl und den Respekt den du vor dir selber gewinnst, wenn du es schaffst auf etwas zu verzichten, nur weil du es dir gesagt hast, ist unbezahlbar. Da kannst du noch so viele Bücher lesen und Mantren singen — wer weiß, dass sein Wort Gesetz ist, hat einen zuverlässigen Partner an seiner Seite und sieht mit anderen Augen in den Spiegel.

Fazit

Kleine Fehler unterlaufen sind mir bei Punkt 1), 2) und 4). Schuld waren Unachtsamkeit und unpräzise Regeln. Ist ein Falafel noch Brot? Ist das öffnen von Facebook um eine Nachricht zu schreiben schon Medienkonsum? Wurde diese bestellten Speise auch wirklich kein Zucker hinzugefügt? Je klarer und unmissverständlicher ihr eure Regeln festlegt, desto einfacher sind sie einzuhalten. Fangt klein an. Ganz klein. Nochmal: Meiner Erfahrung nach ist das großartige an einer CDM nicht, dass Leben ohne „XY“, sondern die Entdeckung, dass du niemandes Sklave bist, dass kein Trieb, keine Sehnsucht und kein Heißhunger dich beherrschen. Wenn ich sage dass ich etwas tun werde, dann tue ich es auch. Klingt simpel, gilt es aber in ganz kleinen Schritten (wieder) zu lernen.