Motivation
“Wieso direkt vegan und nicht erst einmal vegetarisch?” war die mir wohl am meisten gestellte Frage während ich dankend ein tierisches Produkt ablehnte.
Um ehrlich zu sein habe ich vor diesen 30 Tagen so gut wie jeden Tag Fleisch konsumiert und mir war es leider auch ziemlich egal woher dieses Produkt stammte.
Schnell, einfach, günstig – das Motto nachdem ich meine Lebensmittel einkaufte trotz des Bewusstseins, dass ich damit keinen wirklich positiven ökologischen oder ethischen Fußabdruck hinterlasse.
Da mir vor allem Alternativen zu Fleisch oder generell tierischen Produkten fehlten, war mein Ziel dieser Challenge nach dem Monat Juni eine Bandbreite an pflanzlichen, fett- und/oder eiweißhaltigen Produkten zu kennen, um meinen Fleischkonsum zu reduzieren.

Die Umstellung
…gestaltete sich als sehr viel simpler als zunächst vermutet: Milch-Alternativen wie Mandel-, Reis-, Kokos- oder Sojamilch und Protein-Lieferanten wie Tofu, Soja oder Seitan sind schnell entdeckt und fast überall zu ergattern.
Dank meines äußerst unsensiblen Gaumens konnte ich mich schnell daran gewöhnen und mit zunehmender Dauer sogar daran erfreuen. Lästig war definitiv das ständige Nachlesen auf Rückseiten von Verpackungen, ob sich nicht vielleicht doch noch ein tierisches Produkt in die Zubereitung eingeschlichen hat. Abhilfe schaffen da Listen im Internet von eat-this.org oder auch petazwei.de/einkaufsguide.
Ab und zu muss man sich natürlich ein paar Sprüche von Kollegen und Freunden anhören, aber mit der Challenge des Monats als Leitmotiv nahm mir das in keinster Weise meinen radikalen Optimismus diesen Lifestyle bis zum Ende durchzuziehen.
Einziger Knackpunkt: Käse. Auf dieses Produkt verzichten zu müssen ist wirklich extrem hart. Ob Pizza, Aufläufe, Joghurt/Quark, etc. – hierzu hat die Menschheit einfach noch keine gute Alternative erfunden. Eine Pizza ohne Käse bei einem Italiener zu bestellen fühlte sich wie eine symbolische Backpfeife an. Zum Glück isst man ja nicht so oft beim Italiener(alleine 3x im Juni…).

Leistungsfähigkeit & Gesundheit
Absolut empfehlenswert ist es das Mitagessen mal komplett durch Gemüse zu ersetzen. Man kann sich gänzlich satt essen und fühlt sich nachher kein bisschen erschöpft. Generell muss ich sagen, dass ich keine besonderen Auswirkungen (ob positiv oder negativ) feststellen konnte und das mit einer hohen sportlichen Belastung. Trotzdem würde ich sagen, dass das sich bei jedem individuell unterscheiden wird. Ernährung ist keine Blaupause, die jeder für sich kopieren kann. Deshalb sind Argumente wie “Vegane Ernährung ist die gesündeste Ernährung” meiner Meinung nach mit Vorsicht zu betrachten – ebenso wie das Extrem jeden Tag Fleisch zu konsumieren. Jeder muss hier einfach ein bisschen rumexperimentieren und das Beste für sich entdecken.
Interessant könnte vielleicht noch die Tatsache sein, dass ich während der 30 Tage kein einziges Mal Heißhunger verspürte wie z.B. bei einem Kohlenhydrat- oder Süßigkeitenverzicht.

Ethik…
Auch damit beschäftigt man sich (leider) automatisch und ich versuche meine Meinung möglichst kurz kundzutun: 99,99% der Menschheit mögen wahrscheinlich keine Massentierhaltung und trotzdem tun 99,98% der Menschheit nichts dagegen und werden es in Zukunft nicht- alles andere ist Idealismus und man sollte anderen auch nicht vorschreiben, was sie zu essen zu haben und was nicht,. Auch besonders hinsichtlich der so unterschiedlichen menschlichen Körper und deren Verarbeitungsweisen.
Ja, man senkt die Nachfrage nach tierischen Produkten indem man sie nicht konsumiert, ist dabei allerdings sehr ineffizient. Wenn man einfach mit sich selbst diesbezüglich im Reinen sein möchte, halte ich das für sehr ehrenhaft. Wenn man wirklich etwas ändern möchte, sollte man sich eher für Tierschutzorganisationen einsetzen, die stärkere Regulationen und Vorschriften für Schlachthäuser fordern. Gesetze sind der Grund, die die Menschen davon abhalten einander und ihrer Umwelt Schaden zuzufügen! 🙂

…oder Mode?
Am Ende ist alles Business. Viele Produkte, die früher nicht als vegan deklariert waren, sind es jetzt – mit einem ordentlichen Preisaufschlag. Dieser Trend geht an den pfiffigen Unternehmern dieser Welt nicht vorbei und wird selbstverständlich dafür genutzt Margen zu erhöhen. Vielleicht sollte man sich auch bei veganen Produkten fragen, von welchem Unternehmen sie kommen, sonst fällt dem COO noch vor Lachen die Currywurst in den KFC Eimer 😀

Fazit
Ich habe genau das was ich wollte: viele Alternativen zu tierischen Produkten und ein besseres Verständnis, sowohl von der vegetarischen als auch veganen Lebensweise. Ohne Einschränkungen kann ich diese Challenge wärmstens weiterempfehlen. Ich freue mich bereits auf die nächste CDM und wünsche meinen Radikal Optimstischen Mitstreitern viel Erfolg bei ihren nächsten CDMs!