Challenge: Nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen Affirmationen sprechen.

Affirmationen – schonmal davon gehört? Als ich vor ca. zwei Jahren zum ersten mal durch ein Youtube Video davon hörte (vermutlich von T. Robbins) schrie der Skeptiker in mir auf: “come on man, was für ein Schwachsinn.” Die Theorie ist folgende: “Wenn du einen gewissen Satz oft genug mit Inbrunst wiederholst, manifestiert sich dieser in deinem Leben!” Mein ehemaliger WG Mitbewohner, der im Vertrieb arbeitete, hatte bspw. einen Sticker in der Form eines großen Smileys auf der Innenseite seiner Tür kleben, auf dem “Ich bin glücklich und heute wird ein guter Tag” stand. Hm. Genau. Ja.

Aber was wenn es funktioniert und ich nur zu borniert bin um diese Lebensverbesserungsmaßnahme zu ergreifen?

Ich erachte mich selbst als eher voreingenommen, nicht gerade hochintelligent und mit einer sanften Arroganz beseelt – Grund genug etwas auszuprobieren, das ich von der Festung meines analytischen Verstandes aus belächle. So machte ich es zu meiner CDM für Juni  2017, folgende 2 DIN-A4 Seiten je nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen herunterzuproklamieren:

Diese hatte ich im Herbst 2016 auf einem 3 Tages-Seminar erhalten, das ich nach einem Tag verließ. Mehr dazu an anderer Stelle.

Den ganzen Monat betete ich also gleich nach dem Aufstehen und vor dem zu Bett gehen meine Sätze runter. Mal sträubte sich alles in mir bei Sätzen wie “Geld ist Freiheit und Geld macht das Leben erfreulicher”, mal fühlte ich Frieden und Kraft wenn ich sagte: “Ich arbeite weil ich es will, nicht weil ich es muss” oder “ich bin ein hervorragender Geld-Manager”.

Der Tag bekam eine gewisse mentale Struktur. Auf einmal waren die ersten und letzten Worte des Tages aus meinem Mund zwingend konstruktiver, optimistischer Natur. Erbauende Emotionen inklusive. Weltbewegende Ergebnisse hat diese Challenge jedoch für mich nicht ergeben.

Gewisse Sätze fühlten sich beim Aussprechen an wie Pappe, andere wie Vollkornbrot. Der eine Satz hat meinen Geist gestärkt, der andere hat ihn nicht erreicht. Es scheint wenig Sinn zu haben, zu einem Gott zu beten an den man nicht glaubt. Ebensowenig Sätze zu Affirmieren die man nicht für wahr hält. Aber was ist Wahrheit ? Ist es wahr, dass du broke bist? Ist es wahr, dass du reich bist? Im Vergleich mit Elon Musk bist du broke, im Vergleich mit Hadjibobo aus Ostkambodja bist du sehr reich. Die Bewertung einer Sache steht in direkter Abhängigkeit zu dem, womit du sie vergleichst. Was also ist wahr? Du bist sowohl arm, als auch reich; du bist sowohl dumm, als auch klug; du bist sowohl ein Glückskeks als auch ein Pechvogel… Insofern ist alles wahr, was du über dich aussagst…was aber möchtest du empfinden? Welche Energie möchtest du in dir kultivieren?

Affirmationen scheinen Wahrnehmungsbereiche festzulegen, einzukreisen, Zäune der Aufmerksamkeit zu ziehen. Wer lang genug zu einem Gott betet, wird Glauben zu ihm entwickeln. Affirmationen sind ein mächtiges, gefährliches Tool.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit Affirmationen von Zauberei abgrenzen. Wenn du jeden morgen den Blick auf deinen Zimmerboden richtest und proklamierst: “der Boden ist sauber, der Boden ist sauber”, aber deine Augen zeigen dir fälschlicherweise weiterhin die Flecken darauf und deine Nase gibt dir weiterhin Signale von unerträglicher Staubigkeit – dann bist du das Subjekt eines gelungenen Witzes von einem Stand-Up Comedian irgendwo in einem anderen Universum. Schon das kleine Kind lernt: die Arbeit macht sich nicht von selbst. Aber was, wenn du auf einmal aus einem Impuls heraus dein Zimmer reinigst, weil du halt so ein Typ bist der gerne putzt?

Zu proklamieren wie die Umwelt sich benimmt und gibt scheint mir wirkungslos. Das ist der Wunsch nach Manipulation und unverdienter Macht. Es benebelte mich eher. Von dem sich-alles-gut-reden bekam ich weder Kraft, noch Klarheit, noch Veränderung in meinen Umständen. Also haben die meisten Sätze für mich keine Veränderung gebracht. Weder emotional, noch materiell. Es geht dem klassischen Beten für Dinge sehr Nahe – hat sicherlich seinen Platz im Menschenleben, ist jedoch schwierig zu messen und gehört in den Bereich der Mystik auf dem jeder individuell forschen und erkennen muss.

Aber! die Affirmationen über meine eigene Person, was ich bin (oder mir Befehle zu sein) haben einen spürbaren Effekt hinterlassen. “Ich bin ein großzügiger Geber und ein hervorragender Empfänger” – mitten am Tag tauchte dieser Satz in meinen Gedanken auf, mal wenn ein Freund mich zum Essen einlud und ich Mühe hatte sein Geschenk anzunehmen, mal wenn ich etwas für meine Mitbewohnerin tat. “Ich bin halt so.”, “Ich bin halt so n Typ”, sind mächtige Sätze. Mächtige Gedanken. Es sind Pfeiler. Grundfesten. Dogmen. Unumstößliche Tatsachen die keiner Argumentation bedürfen. Ich bin so, weil ich halt so eine/r bin. Mir ist, als hätten die Sätze die ich zu mir sprach, sich verselbstständigt und würden nun dann und wann in meiner Gedankenwelt aufkreuzen. Die inneren Stimmen (die wir mitunter auch “Gedanken” nennen) scheinen aus Sätzen zu bestehen, die ich mir in der Vergangenheit einmal gesagt und geglaubt habe. Inception Baby. Habe ich mich selbst erschaffen? Meinen Körper wohl kaum (lol), aber das, wie ich instinktiv den Satz “Ich bin halt so n Typ, der…” beende, scheine ich bestimmen und formen zu können.

Darum scheint es mir wichtig, eigene Affirmationen zu generieren, anstatt sie von anderen zu übernehmen. Ich denke, es geht in erster Linie um das Gefühl, die Energie, das Bild, das die Formulierung erzeugt, nicht um die Formulierung selbst.

Fazit: Deine Innere Welt ist eine Manifestation deiner Affirmationen, drum’ affirmiere diese, nicht deine Umstände. Nehme den Satz „Ich bin halt so ’n Typ, der …“ und füge dort die Eigenschaften deines Ideals ein. „Ich bin halt so n Typ der früh aufsteht“, oder „ich bin halt so n Typ der sich wohl unter Menschen fühlt“ oder „ich bin halt ein Typ, der gerne hart arbeitet“ oder „ich bin halt so ´n Typ, der gerne Ordnung hat“ oder “ich bin halt n entspannter Typ”  – was auch immer du werden willst, behaupte es mit lauter Stimme voller Inbrunst (alleine in deinem Zimmer, nicht vor anderen) und die Sätze verselbstständigen sich in deiner Gedankenwelt – die wiederum deine Handlungen generiert.

Fazit:

  1. Mache Affirmationen jeden Tag zur gleichen Uhrzeit. Am besten 2 oder 3 mal.
  2. Generiere eigene Formulierungen, die sich nach Kraft und Klarheit anfühlen.
  3. Affirmiere die Eigenschaften deines Charakters (“Ich bin halt ein Typ der…”), nicht die Reaktionen deines Umfelds (“Die Menschen behandeln mich …”). Dein Machtbereich ist in erster Linie dein Innenleben, dieses empfiehlt sich zu beackern. In der Außenwelt sind Handlungen von Nöten.