Während ich diese Zeilen schreibe läuft dieser Sound (Healing Meditation Music). Über das Wesen der Meditation wurde schon viel geschrieben. Man könnte meinen, dass sie erst vor ein paar Jahrzehnten Einzug in unsere Kultur erhalten hat. Mittlerweile kann ich mir ein Leben ohne gar nicht vorstellen.

Die ersten 10 Minuten sind mühsam

Ich muss mich beherrschen um mich nicht kratzen, trinken holen oder irgendwas erledigen zu wollen. Mein innerer Affe klappert To-Do-Listen ab, wirft mir Zeitverschwendung vor, regt sich über Belangloses auf. Wenn ich abschweife, kehre ich gütig zurück in meine Abfolge.

Ich nehme auf meinem Sofa Platz, setze mir die Kopfhörer auf und schließe die Augen. Meinen Atem lasse ich sanft strömen. Ich zähle vier Takte ein, halte vier Takte, lasse vier Takte los. Fällt es mir immernoch schwer runterzukommen, wandere ich langsam mit meiner Aufmerksamkeit durch meinen Körper. Die Innenseite meiner Fußsohle, die Unterseite meines Nagelbetts, die Beschaffenheit meiner Wirbel.

Auf einmal erreicht mich die Leere

Ein warmes kribbeln unter meiner Haut, die Muskulatur gelöst, der Schädel kühl.

Ein Zustand des schlichten Daseins, ohne etwas zu wollen. Nun kann ich meine Gedanken beobachten, ohne sie in gut oder schlecht einteilen zu müssen. Ich blicke auf meine Gefühle wie auf den Inhalt eines Rucksacks. Als wären sie mir bloß anvertraut, auferlegt, geliehen. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was wird aus mir? Was möchte ich? Was möchte die Menschheit durch mich? Was heißt es, ein Mensch zu sein?

Im “Deep State”, der nach ca. 20 Minuten einsetzt, beginne ich eine Konversation. Ich lege meine zwischenmenschlichen Konflikte, Projekte und Probleme auf einen Altar und beobachte. Erklärung kommt. Erkenntnis. Weisung. Wie Nahrung. Die Mystik war mir noch nie fremd, meinen inneren Bildern schenke ich Vertrauen. Manchmal weine ich vor Rührung, Dankbarkeit oder Hingabe.

Am Ende der 30 Min. greife ich nicht selten zum Stift und notiere mir ein Bild, einen Rat oder eine Idee. Nach diesem Monat ist es normal für mich geworden, Antworten in jenem Zustand der Meditation zu finden.

Kritik an der „Medizin“ Meditation

Nun wurde schon viel über die Vorteile der Meditation geschrieben und sie sind alle wahr. Einen Nachteil möchte ich jedoch nicht unbeleuchtet lassen. Das meditieren wurde für mich nach ein paar Wochen zu einer Art Droge. Ein Ort, den ich bei Problemen aufsuche. Mein Plan B, mein Allheilmittelchen. Das erste woran ich nun denke, wenn Stress, Druck oder Chaos mich zu überfordern scheinen, ist die Meditation aufzurufen. Ist das wirklich gesund? Medizin sollte uns in Krankheitstagen helfen, sie sollte uns nicht täglich begleiten. Aber wo endet Nahrung und wo beginnt Medizin? Ein fließender Übergang, dessen Grenze jeder für sich herauszufinden hat.

Rückblick: Game vs. Kern

Bei unserem zweiten Event haben Philemon und ich über „Game vs. Kern“ gesprochen. Ein Model, in dem das Leben in zwei Lager geteilt wird. Das was du tust (Game) und das was du bist (Kern). In meiner kleinen halben Stunde Glückseligkeit bade ich mich im Kern. Ich phantasiere über den perfekten Zustand unserer Welt, über mein Traum-Ich, den Erfolg meiner Projekte und die Erfüllung meiner Träume.